29.08.2022

Spannender kann Sport nicht sein – Paladins bleiben in der GFL2

Die Solingen Paladins verlieren im letzten Saisonspiel gegen die Assindia Cardinals mit 20:12, sichern sich durch den direkten Vergleich allerdings trotzdem den Verbleib in der GFL2. Die Zerrissenheit der Spieler und Coaches lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: „Ja, wir haben den Klassenerhalt geschafft, aber nach einer solchen Niederlage fällt das Jubeln einfach sehr schwer“, resümiert Teamcaptain Leon Püttbach das Spielgeschehen. Dass zwischen Abstieg und Klassenerhalt nur wenige Minuten zuvor allein einige Zentimeter gelegen hatten, spielte dabei nur eine untergeordnete Rolle.

Bei sommerlichen Temperaturen starteten die Footballer der Solingen Paladins vor etwa 300 gegnerischen und 200 eigenen Fans in das entscheidende Spiel um den Abstieg in die Regionalliga. Nachdem die Rostock Griffins sich am vorangegangenen Samstag mit einem überraschenden Sieg gegen die Hildesheim Invaders aus der Abstiegszone gerettet hatten, stieg die Spannung im Stadion Am Hallo deutlich. 

  1. Quarter

Das Spiel begann mit einem langen Drive der Cardinals. Immer wieder waren es die Läufe über die beiden US-Runningbacks, die die Essener über das ganze Spiel hindurch Richtung Solinger Endzone führen sollten. Besonders in Halbzeit Nummer 1 fiel es der Defense von Coach Tim Rüttgers sehr schwer, das Laufspiel der Cardinals zu stoppen. „Wir wussten zwar, was kommt, aber trotzdem scheiterte es immer wieder an persönlichen Fehlern“, fasste Defensive Back-Coach, Finn Röllinghoff, die Leistung zusammen. Fehler machten dann allerdings auch immer wieder die Essener, die einige Male kurz vor der Ziellinie den Ball verloren.

Trotzdem stand es nach wenigen Minuten durch einen Lauf 7:0 für die Cardinals. Solingen trat nun entschlossener auf. Quarterback Alexander Busch bediente seine Receiver und immer wieder US-Runningback Moses Harris. So überbrückten sie schnell das Feld. Top-Scorer Harris war es dann vorbehalten, den Anschluss zum 7:6 (PAT nicht gut) zu erzielen. 

  

  1. Quarter

Kurze Zeit später schien sich das Blatt Richtung der Paladins zu wenden. Nach einer Interception durch Jamal Soufie kamen die Solinger erneut in Ballbesitz und QB Busch ließ sich nicht lange bitten. Ein großartiger Pass auf Noah Gehring über 30 Yards brachte die Klingenstädter mit 12:7 in Führung (TPC nicht gut). Das Aufatmen der mitgereisten Solinger Fans war deutlich zu hören, hatte man im direkten Vergleich ja nunmehr 17 Punkte Vorsprung. Essen kämpfte weiter und nach einigen Spielzügen stand es plötzlich 14:12 für die Cardinals. So ging es dann auch in die Pause. 

  

  1. Quarter

Beiden Teams war bewusst, dass nunmehr nur noch 24 Minuten zum Saisonende verblieben. Essen musste noch immer mindestens 10 Punkte mehr als die Paladins auf das Scoreboard bringen, jedoch zeigte die Paladins Defensive um den überragenden Basiru Jobe und den immer gefährlichen Felix Losch ihre Stärke. Trotz vehementer Essender Angriffsversuche hielten die Paladins ihre Endzone in diesem Quarter sauber. Selbst ein Fieldgoalversuch konnte abgewehrt werden  – allerdings gelang den Klingenstädtern selber auch kein zählbarer Erfolg, sodass beide Teams mit dem knappen Spielstand ins finale Quarter gingen. 

  1. Quarter

Wer nun dachte, zehn Punkte seien ein sicherer Vorsprung, sah sich nach einigen Minuten eines Besseren belehrt – Essen erzielte erneut per Lauf den Touchdown zum 20:12 (TPC nicht gut) und plötzlich trennten beide Teams nur noch vier Punkte im direkten Vergleich. Solingen konnte den Onside-Kick recovern und betrat mit etwas mehr als vier Minuten Spielzeit auf der Uhr wieder den Platz. Zwar konnte Lucas Busch mit einem sehenswerten Catch über 30 Yards ein neues First Down erreichen, aber statt weitere Minuten und Sekunden verstreichen zu lassen, agierten die Solinger Spieler taktisch ungeschickt. Unvollständige Pässe und Läufe ins Aus hielten die Uhr immer wieder an und führten letztendlich dazu, dass Solingen sich per Punt vom Ball trennen musste. Nun sollten drei Minuten folgen, die vielen Fans noch lange schlaflose Nächte bereiten würden. Der Snap beim Punt misslang, sodass Kicker Yannic Schorn nichts anders übrigblieb, als den in Richtung eigener Endzone kullernden Ball zu sichern. Mit knapp 2 Minuten standen die Essener nun 30 Yards vor der Endzone und dem Klassenerhalt. „Jetzt kommt es auch auf euch an!“, rief Offensive-Coach Carsten Schumacher den mitgereisten Fans zu. Diese ließen sich nicht lange bitten und stimmten wie so oft an diesem Nachmittag die bekannten „Paladins, Paladins!“ Schlachtrufe an. Das Stadion wurde zum Hexenkessel. Essen näherte sich immer weiter der Goalline, während die Uhr stetig gen Null tickte. 20 Sekunden vor Ende warf der Essener Quarterback einen kurzen Pass, der von einem seiner US-Runningbacks akrobatisch gefangen wurde. Der Jubel auf Essener Seite war frenetisch, glaubte man ihn schon in der Endzone. Allerdings hatte es nicht ganz gereicht. Die Paladins hatten noch einen einzigen Yard Raum zu verteidigen. Eine ganze Saison und die Entscheidung über den Verbleib in der GFL2 würde also vom nächsten Spielzug abhängen. Essen nahm seine letzte Auszeit und verließ nach der Besprechung selbstbewusst das Huddle. Es folgten Snap, Handoff an den Runningback und großes Gedränge. Bis die endgültige Entscheidung der Schiedsrichter verkündet wurde, konnte man die sprichwörtliche Nadel im Stadion fallen hören. Die Verkündigung des Hauptschiedsrichters brachte Klarheit: Der Runningback konnte nur wenige Zentimeter vor Überqueren der Endzone gestoppt werden und der Abstieg der Cardinals war besiegelt. Fassungslosigkeit auf beiden Seiten war die Folge. Bei den Cardinals, weil der Ligaerhalt so nah war, und bei den Solingern, weil man das Glück kaum fassen konnte.

   

Wir danken den Assindia Cardinals für das trotz der brisanten Situation sehr faire Spiel und wünschen allen Verletzten gute Besserung. Allen Beteiligten war am Ende des Spieles klar, dass dieses Spiel eigentlich eine Tragödie war.

Trotz allem bedeutet das Ergebnis, dass die Solingen Paladins auch in der Saison 2023 in der GFL2 spielen werden. Wohingegen die Assindia Cardinals gemeinsam mit den Hamburg Huskies den Weg in die Regionalliga antreten müssen.

Die Paderborn Dolphins schafften am Samstag die Sensation in Langenfeld und konnten mit einem Fieldgoal den Longhorns in der letzten Sekunde die Meisterschaft aus den Händen reißen. Nun heißt es in der Relegation in die GFL: Paderborn Dolphins vs Düsseldorf Panther.  

Kommentare zum Spiel

Michael Tiedge, Headcoach: „Ich verstehe, dass vielen heute nicht nach Feiern zumute ist. Trotzdem dürfen wir nicht vergessen, dass wir den Klassenerhalt geschafft haben. Ich bin stolz auf meine Mannschaft. Es war eine schwere Saison mit vielen Rückschlägen, aber die Jungs haben bis zur sprichwörtlich letzten Sekunde Charakter gezeigt.“

Tim Rüttgers, Defensive-Coordinator: „Das war ein Wechselbad der Gefühle. Am Anfang haben wir viel zu viele Fehler gemacht und den Lauf der Essener kaum stoppen können. Dann hatten wir die Essener durch einige Anpassungen gut unter Kontrolle, aber auch das änderte sich wieder. Dass wir im allerletzten Spielzug unüberwindbar waren, erfüllt mich mit Stolz.“

Jens Merten, Coach & Pressesprecher: „Wir hatten im Vorfeld unglaublich viele Möglichkeiten, um dieses Endspiel zu vermeiden. Dass diese Saison sich nun tatsächlich in den letzten vier Sekunden entschieden hat, ist nur schwer zu begreifen. Ich kann nachvollziehen, dass gerade bei unseren unerfahreneren Spielern die negativen Gefühle nach der Niederlage überwiegen, allerdings ist der Blick auf das große Ganze mindestens genauso wichtig. Wir haben den Klassenerhalt mit einem unglaublich jungen Team gesichert und das war heute im Endeffekt das Wichtigste. Die Coaches-Crew wird mit dem Vorstand in den nächsten Wochen genau analysieren, woran es in dieser Saison gehapert hat. Und es wird sicherlich auch viele Veränderungen geben, denn wir alle wissen, dass wir dieses Jahr nicht immer am oberen Limit gespielt haben, aber jetzt ist erst einmal Zeit, um nach diesem wilden Ritt durchzuatmen und dann gestärkt daraus hervor zu gehen.“

Foto: S.Schneider – sushysan.de