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03.05.2021

Interview mit zwei Urgesteinen

Wenn man auf eine kommende Saison wartet, blickt man auch oft auf vergangene Zeiten zurück. Über die Sozialen Medien werden dann häufig Erinnerungen geteilt und so kamen wir wieder in engeren Kontakt mit zwei Urgesteinen der Solinger Footballgeschichte:

Frank Richters und Axel Berger spielten schon in den 1990ern für die Solingen Hurricanes und trugen dann im neuen Jahrtausend nicht unerheblich zum Erfolg der Paladins bei. Es entstand die Idee, mit beiden einen Blick auf vergangene und aktuelle Zeiten zu werfen.

Fangen wir doch direkt mal mit einer Besonderheit an: Euer letztes Spiel für die Paladins war am 05.September 2015 in der Regionalliga gegen die Longhorns. Eine unserer insgesamt sehr wenigen Heimniederlagen und dann auch noch gegen Langenfeld – das tat schon weh. Der Klassenerhalt war trotzdem gesichert und ihr konntet gemeinsam mit gutem Gefühl abtreten, oder?

Frank Richters: „Für sein letztes Spiel im heimischen Stadion wünscht man sich natürlich ein anderes Ergebnis, aber zu dem Zeitpunkt war Langenfeld halt die klar bessere Mannschaft. Eine knappe und unglückliche Niederlage wäre schlimmer gewesen.“
Axel Berger: „Was? Schon so lange her – lach….“

Wie habt ihr diesen Tag mit dem letzten Spiel und der doch emotionalen Verabschiedung durch das Team nach so langer Zugehörigkeit in Erinnerung? Hat euer Abschiedsgeschenk einen Platz bei euch zu Hause gefunden?

Frank Richters: „Wir hatten das Saisonziel erreicht und uns als Aufsteiger gut verkauft. Das Abschiedsgeschenk war wirklich klasse und eine echte Überraschung. Ich weiß gar nicht, wann die Jungs alle unterschrieben haben – ich war ja schließlich immer beim Training. An dem Tag selber musste ich schon die ein oder andere Träne verdrücken. Das Bild hängt bei mir zuhause für jedermann sichtbar im Hausflur.“

Axel Berger: „Für mich war es ein gelungener Abschluss nach so vielen Jahren. Trotz der Niederlage mit einem Lächeln den Tag beendet. Das Geschenk hat einen festen Platz bei mir….Nur mit dem Staubwischen ist so eine Sache.“

Zuletzt sprachen wir über das Jahr 2015. Das ist nun sechs Jahre her – was hat sich bis heute bei euch getan? Wo sind noch Berührungspunkte zum Football und vor allem zu den Paladins? Vermisst ihr den Sport oder das Team oder beides?

Frank Richters: „2016 habe ich ja noch ein Jahr gecoacht. Allerdings habe ich in dem Jahr einen neuen Job angefangen und bin Vater meiner süßen Tochter geworden, deshalb musste ich nach der Saison leider dem Football endgültig den Rücken kehren. Natürlich vermisst man beides. Viele Freunde mussten den Sport aus gesundheitlichen Gründen an den Nagel hängen. Ich war glücklicherweise in der Situation, das Ende meiner Karriere selber zu bestimmen. Das lindert den Schmerz und Verlust, den man dann erstmal hat. Wir (Frau, Kind und ich) sind natürlich bei jedem Heimspiel und auch bei den Auswärtsspielen, wenn die Entfernung es zulässt. In diesem Fall sind soziale Medien ja tatsächlich auch eine feine Sache.“

Axel Berger: „Ich habe danach doch noch einmal die Ausrüstung in Wesseling reaktiviert und dort noch 2 Saisons als Spielertrainer verbracht. Es war stellenweise recht seltsam, wenn du mit dem mittlerweile erwachsenen Sohn vom HC zusammenspielst, den du damals als Kind auf dem Arm hattest. Aber die jungen Spieler haben es dankend angenommen. Wenn auch die Spritzigkeit etwas nachgelassen hat, konnte ich mit Technik und Spielverständnis immer noch sehr gut mithalten. Ich denke, den Sport selber vermisse ich schon, auch wenn man irgendwann feststellen muss, dass der Körper einfach zu lange regenerieren muss, bzw. nicht mehr so richtig mitmacht. Beim Team ist das natürlich etwas anders…. denn was bleibt sind sicher die engen Freundschaften, wenn man sich immer mal wieder über den Weg läuft.“

Was war für euch das bedeutsamste Erlebnis in der Zeit bei den Paladins?

Frank Richters: „Da gab es einige. Den größten Eindruck hat allerdings die Saisonvorbereitung 2014 bei mir hinterlassen. Schon beim ersten Hallentraining im Winter hatte ich das Gefühl, dass dieses Team etwas ganz Besonderes ist und wir den Aufstieg schaffen werden. Ich hätte tatsächlich da schon Geld darauf gewettet.“

Axel Berger: „Bei mir war es der Moment, als damals nach dem Alumni Game der Hurricanes das Projekt 2te Mannschaft ins Leben gerufen wurde. Da bin ich zurück ins Walder Stadion gekommen. Es waren die Mitspieler, egal ob jung oder alt. Das war schnell eine starke Bruderschaft…und das ist das was bis heute geblieben ist.“

Bei den Paladins hat sich seit 2015 vieles verändert. Nach 20 Jahren Abstinenz gab es in der Saison 2018 endlich wieder Bundesligafootball in der Jahnkampfbahn. Ein wichtiger Schritt für den Verein und das Team. Wie denkt ihr darüber?

Frank Richters: „Der Solinger Football gehört einfach in die oberen Ligen. Wir hatten immer schon eine unglaubliche Fanbase und das schönste Stadion in ganz Deutschland. Das sind wir auch den Fans einfach schuldig.“

Axel Berger: „Auf jeden Fall. Der Aufstieg in die GFL 2 ist und war der Verdienst, auf den ganze Verein über Jahre konstant hingearbeitet hat. Stück für Stück, Stein auf Stein.“

Ihr habt ja schon gesagt, dass ihr das Team auch im Retirement verfolgt, wie gefällt euch was ihr seht? Was seht ihr besonders positiv und wo seht ihr eurer persönlichen Meinung nach Bedarf bei den Paladins – ob am Gameday oder im Allgemeinen?

Axel Berger: „Aufgrund der Entfernung schaffe ich es nicht immer zu den Heimspielen, aber dank der sozialen Netzwerke und der Paladins-App kann man dem Geschehen doch schon recht gut folgen. Und wenn man es zum Gameday schafft, ist es eher das Meet and greet. Man trifft sich mit Freunden und schaut sich guten Football in einem genialen Stadion an. Besser geht´s eigentlich nicht.“

Frank Richters: „Ich finde die Arbeit des Vorstands ganz bemerkenswert. Ihr habt viel aus den Fehlern der Vergangenheit, die eure Vorgänger in den 90ern teilweise begangen haben, gelernt. Ich habe eigentlich nur Gutes zu sagen. Ich finde es außergewöhnlich, mit wieviel Besonnenheit und Engagement Ihr den Verein Schritt für Schritt nach vorne bringt. Dafür kann ich nur Lob aussprechen. Eine wichtige Sache: Vegane Speisen am Gameday vermisse ich allerdings seit Jahren!!!“

Im Bundesligafootball ist an ein Spielen ohne amerikanische Importspieler fast nicht mehr zu denken. In früheren Zeiten, als das Solinger Team noch Hurricanes hieß, gab es auch schon Imports. Seht ihr hier einen Unterschied zu heute? Wie wichtig waren Importspieler für euch persönlich als Spieler und auch Trainer?

Frank Richters: „Importspieler machen natürlich einen riesigen Unterschied. Als ich bei den Steelers anfing, holte man sich einfach ein paar Amis aus einer Kaserne. Die Jungs hatten Bock und wer nichts taugte, den hat man einfach nicht mehr wiedergeholt. In den 90ern bei den Hurricanes musste man dann anfangen, die Jungs wirklich zu importieren. Ich denke früher war das einfacher bzw. ein geringeres Risiko. Die Spieler, die rüberkamen, taten dies aus Überzeugung und Abenteuerlust. Man bekam gute Spieler, die einfach Lust auf Football hatten. Heute geht es leider zu vielen nur ums Geld. Da wechselt dann ein Quarterback auch ein Team zweimal in einem Jahr und geht zum Höchstbietenden. Mit sowas kann ich gar nichts anfangen. Da ist man bei der Personalwahl sehr vom Glück und seinen Verbindungen in die Staaten abhängig. Aber im Großen und Ganzen kann man sagen, dass Importspieler den deutschen und auch europäischen Football auf jeden Fall nach vorne bringen und der Entwicklung auf jeden Fall dienen.“

Axel Berger: „Da hast Du Recht…Damals war es aber teilweise noch etwas strenger reglementiert. Aber diese Imports haben damals auch schon Geld gekostet…Ich persönlich finde es immer schade, wenn Imports die lokalen Spieler verdrängen, anstatt sie zu unterstützen.“

Einige Headlines in den letzten Artikeln über die Paladins lauteten „Back to the roots“ – „Paladins-Team erhält neues Gesicht“ – „Paladins mit neuem Headcoach und Offense Coordinator. Wie steht ihr zu dieser Strategie des Vorstands? Michael Tiedge kennt ihr zum Teil ja noch aus den Hurricanes-Zeiten und natürlich sind euch viele Verantwortliche bekannt, die nun in die Führung des Teams und des Vereins eingesetzt sind.

Frank Richters: „Ich habe Michael nie persönlich kennengelernt. Als er in Solingen war, war ich in England. Aber aus meinem Freundeskreis habe ich durchweg nur Positives über Ihn gehört. Ich freue mich, dass wir jetzt scheinbar einen Headcoach gefunden haben, der zum Verein und dem Team passt. Ich freue mich schon riesig auf die ersten Spiele. Auch mit Markus Blessmann und Jens Merten im Trainerstab bin ich sehr glücklich. Generell halte ich es für eine gute Sache, wenn man eine Mischung aus Jung und Alt im Trainerstab hat. Da kann jeder nur von profitieren. In Solingen habe ich das immer als tolles Miteinander erlebt.

Axel Berger: „Es gab sicherlich genug Vereine, die unbedingt den schnellen Erfolg gesucht haben und daran zerbrochen sind. Schnelles Wachstum und Erfolgsanspruch bergen immer das Risiko, dass man tief fallen kann. Solingen ist allerdings anders, denn wenn so viele alte Bekannte (ob nun Spieler oder Trainer) zum Team stoßen und Teil dieser Tradition bleiben wollen, zeigt das deutlich die Identifikation, den Spaß und auch die Freude an und mit diesem Verein.“

2020 wurde bei den Paladins wie in allen anderen Teams im Deutschen Football nicht gespielt. Ein hartes Jahr für Verein, Team und Trainer. Für 2021 ist die Saison mit Start Anfang Juni geplant. Was wünscht ihr den Paladins?

Axel Berger: „Ich glaube das was man allen zur Zeit wünscht. „Haltet aus und bleibt gesund!““

Frank Richters: „Da kann ich nur ergänzen, dass es wie vor jeder anderen Saison heißt: Spaß, Erfolg und keine Verletzten“

Habt ihr noch etwas, was ihr an bestimmte Personen richten wollt? Einen Gruß an einen Spieler, Trainer oder die Fans?

Frank Richters: „Ach Gott, wo soll man da anfangen? An die Fans kann ich mich nach wie vor nur bedanken. Ich sehe heute noch Gesichter auf der Tribüne, die ich schon vor 30 Jahren da gesehen habe. Und dann sind da natürlich noch meine alten Defense-Kollegen, allen voran Felix und Martin… bleibt gesund und genießt jeden Moment auf dem Platz – solange Ihr könnt. Diese Zeit kommt nie wieder.“

Axel Berger: „Nichts an jemand bestimmtes, aber Danke Solingen (ob Stadt, Verein, Trainer oder Spieler) für die wunderbaren Jahre…Macht weiter so und Solig lot jonn !!!!“

Danke für dieses Gespräch. Wir sind stolz, dass ihr zwei „Jungs“ Teil unserer Paladins-Familie seid!

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